Like it was yesterday

 

 Sein kleiner Windel-Po bewegte sich auf und ab. Seine kleinen Hände waren zu Fäustchen geballt und schwangen mit. Es sah zu süß aus wie er tanzte, weil kleine Kinder ja beim tanzen ihre Füße nicht anheben. Am Ende des Liedes ruft er lachend: "Nommal."

Diese Erinnerung ist jetzt 12 Jahre alt. Heute trägt mein Bruder keine Windeln mehr, er hört andere Musik und tut andere Dinge. Aber er ist mein kleiner Bruder und er macht mich einfach fertig.

Eine andere Erinnerung:

Er war 8 und wurde von Klassentyrannen drangsaliert. Ich begleitete ihn in die Mittagsschule und baute mich vor dem Jungen auf, der mir gerade bis an die Brust reichte.

Der 3-Käse-Hoch drohte mir noch, indem er mir erklärte, er wisse, "wo dein Haus wohnt!", doch ich wusste auch wo seine Mutter wohnt und erklärte ihm, dass er mal besser aufpassen sollte.

Seit diesem Tag machte ich mir immer Sorgen, mein Bruder würde einmal mein Schicksal teilen. Doch es kam schlimmer.

Heute ist er 15, bereits einmal sitzen geblieben, raucht und trinkt, viel zu oft und hat massenweise Kumpels.

Er ist cool, er ist in, und total dumm... 

Ich mache mir Sorgen, dass er abstürzen wird... er hat nicht meine Intelligenz, er tut sich so schon schwer in der Schule, was, wenn er seinen Abschluss nicht schafft? Was, wenn er auf die schiefe Bahn gerät?

Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, kommen mir wieder Dinge zu Ohren, die ebendiese noch Stunden später schlackern lassen. Ich kann ihm nicht helfen, niemand kann ihm helfen, wir alle können nur hoffen dass er irgendwann selbst die Kurve bekommt.

 

Und ich bin doch froh, dass ich niemals beliebt sein musste...

Ich liebe ihn und hoffe & bete, dass er wieder mein Samba-Tänzer wird <3

10.6.13 22:23, kommentieren

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Meine Schulzeit Teil I

 

Dieses Video – aber auch der ganze Song – haben mich damals sehr angesprochen. Ich war 16, als ich das Video das erste Mal sah, und auch wenn Zeichnen/Malen nicht so mein Ding ist, fühlte ich mit der jungen Frau. Vor allem diese Zeitraffer schienen auch in meinem Leben zu existieren. Es war, als gingen die Leute möglichste schnell an mir vorbei, um möglichst wenig von meinem Leben mitzubekommen, um möglichst wenig von mir mitzubekommen und um sich möglichst wenig um mich scheren zu müssen.

Am Schlimmsten war es in der Schule.

Und angefangen hat das Desaster bereits, als ich fast 9 Jahre alt war. Nachdem ich die 2.Klasse abgeschlossen hatte, bin ich mit meinen Eltern umgezogen. Es war keine wahnsinnig andere Stadt, kein anderes Bundesland oder so, nein, eigentlich nur ein anderer Bezirk, für den jedoch eine andere Grundschule zuständig war. Und damit ich mich mit der dortigen Jugend anfreunden konnte, wechselte ich die Schule. Und dann ging es los. Ich verbrachte mal mehr Zeit mit der Einen, mal mit der Anderen, aber wirkliche Freundschaften knüpfte ich nicht mehr.

Und dann kam der Wechsel aufs Gymnasium. Das brachte zum einen mit sich, dass ich die Kinder, mit denen ich mich wenigstens etwas angefreundet hatte, kaum noch sah, da von ihnen kein Anderes aufs Gymnasium ging und zum anderen, dass ich alte Bekannte wiedersah. Denn Gymnasium gab es nur eines bei uns. Das wiedersehen verlief jedoch nicht so wundervoll wie gedacht.

Sie hatten sich verändert. Ich hatte mich vermutlich auch verändert. Und so kam es, dass ich noch weniger Anschluss fand. Bereits in der fünften Klasse war ganz deutlich sichtbar, dass ich ein Außenseiter in dieser Klassengemeinschaft war. Im Vergleich zu dem, was später kam, waren die Hänseleien und der Spott damals noch Kinderkram. Doch auch damals traf es tief.

Nach einigen halbherzigen Versuchen, meine Eltern von einem Internat zu überzeugen, ergab ich mich meinem Schicksal.

Ich muss dazu sagen, ich habe meinen Eltern nicht gesagt, wie schlimm es in der Klasse war. Meine Eltern taten es als „kleine Streitereien“ ab, die „vorbei gehen“. Heute bin ich froh, dass ich die Schulzeit durchgezogen habe, es hat meinen Charakter geformt.

Je älter die anderen Kinder wurden, desto gemeiner wurden sie auch. Das ging von entweder Ausschluss bei Gruppenarbeit oder ich musste alles machen, über gemeine Sprüche über mein Aussehen, bis hin zu Lästerein über mich, selbst bei Leuten, die mich gar nicht kannten. So hatte ich einen Ruf, der mir vorauseilte. Leider kein guter Ruf.

Ich war tapfer. Ich hielt durch. Jeden einzelnen Tag. Ich erzählte auch meiner Familie nichts davon. Ich schämte mich dafür, das „Opfer“ zu sein, so wie es vielen geht. Außerdem wollte ich meine Familie nicht belasten. Die hatten andere Probleme und weil ich inzwischen eingesehen hatte, dass ein Internat nicht zahlbar war, gab es sowieso keinen Ausweg und es war überflüssig, andere Menschen da noch hinein zu beziehen.

Auch versuchte ich, immer wieder Anschluss zu finden. Mit ein paar wenigen kam ich auch ganz gut aus. Mit anderen konnte ich mich wenigstens normal unterhalten.

Ich stelle mir jetzt, im Nachhinein, folgende Frage: Welche alten Mitschüler würde ich zu meiner Hochzeit einladen? Wenn Gästegröße, Geld etc. keine Rolle spielen, wenn ich ihnen die Anreise von jedem ort der Welt zahlen könnte, wenn es also nur darum geht, mit wem ich mein Glück teilen würde, würden mir genau 2 Personen einfallen. Traurig, nicht? Aber nicht die Masse der Freunde zählt, sondern die Klasse.

Hier mache ich einen Schnitt für heute. Ich bin gedanklich jetzt etwa bei der 9.Klasse. Die Tage werde ich das berichten, was passierte, als auch noch Jungs und die Liebe ins Spiel kamen, welche weitere Entscheidung mein Leben beeinflusste und wie ich bis zum Abitur überlebt habe.

Kopf hoch an alle, ihr seid nicht alleine!

 

 

7.6.13 07:39, kommentieren

Growing from darkness

Herzlich Willkommen

 

Ja, noch jemand der bloggt. Noch jemand, der meint, sich der Welt mitteilen zu müssen. Muss das sein?

 

Nun, für mich lautete die Antwort für lange Zeit "Nein". Doch neulich strahlte ich mal wieder mit der Sonne um die Wette, freute mich meines Lebens und beschloss, dass diese Laune ansteckend sein musste.

 

Lange Zeit war ich nicht glücklich. Lange Zeit hasste ich jeden Tag. Ich stand morgens auf um ihn zu überleben, nicht zu genießen.

Hier möchte ich immer mal wieder von meiner Schulzeit berichten, von meiner Vergangenheit und von meinem Leben, wie es jetzt ist.

Und vielleicht gebe ich damit dem ein oder anderen wieder Hoffnung. Ich war selbst Jahrelang Einzelgänger, Mobbingopfer, Selbstzerstörer. Doch die Zeiten sind vorbei. Ich habe es ganz alleine geschafft, dass alles hinter mir zu lassen. Es ist zu schaffen! Und ich will neuen Mut machen.

Ich bin wie eine Blume, die trotz Dunkelheit aufgeblüht ist.

Ich habe keine Ahnung, wie viele diesen Blog lesen werden, vielleicht auch gar niemand. Aber ich hoffe, ich erreiche damit wenigstens ein paar junge Menschen, denen ich etwas Hoffnung schenken kann.

3.6.13 20:45, kommentieren